Unlängst hat sich, vielleicht haben Sie es mitbekommen, bei uns im Verlag eine Personalfluktuation ereignet. Und verblüffenderweise hat sich dadurch der Anteil jener Kollegen weiter erhöht, welche sich vegetarisch (oder vegan, so ganz sattelfest bin ich bei dem Thema nicht) ernähren. Nicht, dass Sie jetzt glauben, ich fiele neuen Kollegen gleich mit der kulinarischen Gretchenfrage „Wie hältst du’s mit dem Leberkas?“ ins Haus! Die Information wird halt publik, wenn wir gemeinsam Mittagessen bestellen oder, was dankenswerterweise immer wieder vorkommt, der Arbeitgeber eine Runde Pizze(n) ins Büro kommen lässt und der – für mich zu meidende – Stapel Marinaras von Mal zu Mal höher wird. (Ich hüte mich übrigens zu beklagen, dass nie meine Lieblingspizza „Hawaii“ dabei ist. Ich weiß, die Kollegen sind da puristisch, ganz nach dem neapolitanischen Bannspruch: Verlangst du Ananas am Fladen, wirst du nicht mehr eingeladen.) Unser hoher Pflanzenfresseranteil ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass der Automotive-Journalismus in etwa so männerdominiert ist wie ein Mönchskloster. Könnte die Vegetarierschwemme daran liegen, dass unsere breite Berichterstattung in Sachen linksgrün-versiffter Elektromobilität (keine Eigendefinition, bitte schön, eher Stammtischrückmeldung) die Anhänger der botanischen Kulinarik zu uns in die Schreibstube lockt? Vielleicht liegt die Ursache ja auch in der perfekten Office-Infrastruktur: Gegenüber, sandalenläufig erreichbar sozusagen, bietet seit Langem eine astreine Ausspeis’ gekochtes Gemüse in allerhand Saucen feil, indisch-ayurvedisch quasi, bissl Fusion. Bissl kostspielig auch, aber wer sein Hartverdientes nicht in Eigenheime oder Kryptowährungen versenkt, kann sich halt was Anständiges zum Essen leisten: eine „cremige Süßkartoffel-Spinat-Lasagne“ zum Beispiel. Die gönne ich bekennender Fleischfresser mir selbst auch gern. Jetzt gleich nämlich, wenn ich das hier zu Ende geschrieben habe. Mahlzeit!
