„Wir leben im Rahmen der Transformation hin zur E-Mobilität aktuell in sehr dynamischen Zeiten mit entsprechenden Auswirkungen auf die gesamte Kfz-Branche. Das stellt uns vor neue Herausforderungen weshalb wir unseren  Fokus im Rahmen des A&W-Tags heuer besonders auf zukünftige Chancen legen", wie A&W-Geschäftsführer Stefan Binder in seiner Eröffnungsansprache erklärte.

Wolfgang Wurm: Auch der Servicebereich steht unter Druck

Nach den traditionellen Begrüßungsworten von Moderator Oliver Zeissberger kam auch schon der erste Vortragende auf die Bühne. Für Mag. Wolfgang Wurm, Geschäftsführer Porsche Austria, bleibt der Mensch der wichtigste Faktor, obwohl sich die Branche mitten in der Transformation befindet und mit Themen wie Digitalisierung und künstliche Intelligenz beschäftigten muss.

Umfassende Nachberichte finden Sie in der kommenden AUTO-Information Nr. 2842 sowie in der November-Ausgabe des AUTO&Wirtschaft Magazins. In Kürze finden Sie an dieser Stelle auch eine Fotogalerie zum A&W-Tag online.

Und auch das Datum für den 18. A&W-Tag steht jetzt schon fest:
Am 28. September 2027 dürfen wir Sie wieder in der Wiener Hofburg begrüßen.

Die Margen seien in allen Bereichen, Neuwagen und Gebrauchtwagen sowie im Service, unter Druck, so Wurm. Wichtig sei es, vorrangig im Zuge der zunehmenden Elektrifizierung und einem damit einhergehend Rückgang des Serviceaufwandes, die Kunden auch weiterhin in der Markenwerkstätte zu halten und zu betreuen. „Der ältere Fahrzeugbestand birgt Chancen“, so Wurm mit Verweis auf spezielle Angebote (Ersatzteile, Garantien etc.) für Kunden mit älteren Fahrzeugen.

Burkhard Weller: Autobranche muss wieder fit werden

Die Stimmung (in Deutschland) ist schlechter als die Realität. Diese These stellte Burkhard Weller, GF Ges. der Weller Gruppe mit 42 Standorten und Präsident Verband der Automobilhändler Deutschlands (VAD), ins Zentrum seines Vortrags. Aber Rekordjahre, wie man sie vor einiger Zeit erlebt habe, seien eben nicht der Normalzustand. „Wir hatten einige fette Jahre, in denen wir Speck angesetzt haben. Jetzt müssen wir wieder fit werden“, appelliert der Unternehmer an die Branche in seinem, aber auch in unserem Land.

Er nannte etwa das Thema KI, das man annehmen müsse; aber auch die Elektromobilität sei „schön, weil die Reichweitenangst jetzt weg ist“. Es sei zwar nötig, überflüssig aufgeblähte Strukturen aus der „guten Zeit“ wieder zurückzunehmen. Aber „Anpassung ist keine Krise“, und die Industrie könne den Wandel stemmen. Die Branche müsse jetzt „weniger diskutieren, weniger regulieren, weniger verwalten, und stattdessen mehr machen!“ schloss Weller seine Keynote.

Podium: Herausforderung und Chancen für den Autohandel

Beim ersten Podiumsgespräch diskutierten Markus Stifter (Škoda), René Buzek (Autorola), Michael Strasser (CarGarantie) und Andreas Handl (Santander) über die Zukunft des Autohandels. Stifter betonte die Notwendigkeit der engen Zusammenarbeit zwischen Importeuren und Händlern. Es brauche schnellere und schlankere Prozesse. Buzek sieht im Gebrauchtwagengeschäft Ertragschancen und fordert stärker datenbasierte Entscheidungen.

Strasser plädierte für geeignete Lösungen zur Kundenbindung und Ertragssicherung sowie politische Planungssicherheit. Handl verwies auf den hohen Profitabilitätsdruck, schwer planbare Restwerte und die Bedeutung eines effizienten Kapitaleinsatzes. Digitalisierung könne unterstützen, die persönliche Kundenbetreuung bleibe aber wesentlich.

Alexander Reissigl: Zwei Drittel mit vergangenem Jahr zufrieden

Der Need for Speed ist im Autohandel etwas Essentielles, wie Alexander Reissigl, Head of Motor bei willhaben in seinem Vortrag beim A&W-Tag erklärt. Die Händler brauchen Zeit für Ihre Kunden und möchten weniger mit Bürokratie verschwenden. Willhaben schenkt mit dem neuen Leadmanagement-Tool ein Drittel mehr Zeit. Insgesamt ist die Branche zu zwei Dritteln mit dem vergangenen Jahr zufrieden. Dieses ist auch das erste Jahr, dass nach dem Pandemie-Tal wieder eine Steigerung gegenüber der Zeit davor ist. 

Zsolt Müllner: Neue Partner gesucht

Für Zsolt Müllner, Chairman of the Board of AutoWallis, ist Österreich ein sehr interessantes Land. Denn es ist unter allen Ländern, in denen Importeur AutoWallis aktiv ist, jenes, mit der höchste Elektrifizierungsquote. "Und hier haben wir mit unserem Marken-Mix ein gutes Angebot", so Müllner.

Aus diesem Grund suche man auch noch in allen Regionen Österreichs nach tatkräftigen Händlern, um Marken wie u.A. Geely, Nio oder Zeekr an die heimischen Autofahrer zu bringen.

LISA übernimmt Vortrag

Der eigentliche Programmpunkt mit Vladislav Smolyany von der Vienna AI Company wurde kurzerhand vom KI-Tool LISA gekapert. Denn Smolyanoy wollte die neue "Lieblingsmitarbeiterin" des Autohauses ihre Vorzüge lieber selbst erklären lassen. Mit ihren vielfältigen Aufgabenbereichen und Fähigkeiten, soll LISA künftig die Arbeiten im Autohaus erleichtern, die sonst viel Zeit brauchen. Der launige Vortrag der, KI-generierten KI-Mitarbeiterin, sorgte im Festsaal-Publikum durchaus auch für den ein oder anderen Lacher.

Dabei war die Botschaft hinter dem Vortrag klar: die Künstliche Intelliganz ist mittlerweile soweit, im Betrieb bestimmte Tätigkeiten zu übernehmen und nach klarer Struktur und Vorgaben mehr Zeit für Mitarbeiter zu schaffen, um sich um die Kunden im Autohaus zu kümmern.

Günther Apfalter: "Keine Angst vor China"

Wichtig für europäischen OEMs seien die Zielkosten und die Entwicklungseffizienz, in diesen Punkten verfüge China über Vorteile, wie Günther Apfalter, Strategieberater und ehemaliger Chef von Magna Europe, in seinem Vortrag „Chinesen sind keine Gefahr, sondern eine Bereicherung“ unterstrich. Die chinesischen OEMs befänden sich im Augenblick in einer Konsolidierungsphase, Prognosen zur Folge würden sich die Marken von derzeit 130 auf 10 reduzieren.

Diese Prozesse habe es in den 1950er und 1960er Jahren mit 50 Marken in den USA oder auch in Deutschland gegeben.  „Wir werden denselben Weg gesamtglobal sehen, darum sehe ich die chinesischen Hersteller nicht als Bedrohung sondern als Bereicherung."  Wichtig für europäische Hersteller sei es auch globale Partnerschaften einzugehen, um in der Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben.

Gerhard Wolf: Zurück zum Zentrum, zurück zum Kunden

Es besteht kein Zweifel daran, dass Gerhard Wolf von Castrol Austria die Branche kennt wie kaum ein anderer. Von 17 A&W-Tagen war er bei 15 anwesend und steht zudem zum zehnten Mal als Vortragender auf der Bühne. „Vieles hat sich schneller verändert als manche angenommen haben.“ Das Ölgeschäft ist nach wie vor ein wichtiger Umsatzbringer, daher sei es wichtig, Entlastungsmöglichkeiten für die Betriebe zu schaffen, den Mitarbeitern Freiräume für intensiveren Kontakt mit den Kunden. „Alles mit Dingen, die wir seit langer Zeit anbieten. Die aber oft nicht so wahrgenommen werden.“ Zum Beispiel der Castrol Online-Shop.

Rund um die Uhr geöffnet mit speziell auf die jeweilgen Bedürfnisse zugeschnittenen Anwendungen und Möglichkeiten. „Darin findet man nur die Dinge, die man auch wirklich braucht. Alles ist schon auf jeden Betrieb zugeschnitten, die Produktsuche voreingestellt. Das ermöglichst einen gezielten Zugriff ohne großen Reibungsverlust.“

Einen Schritt weiter als formidable Prozesslösung gilt für Wolf die Tanktelemetrie. Was gäbe es schließlich Besseres als einen Öltank, der sich selber nachbestellt? Wo sich keiner darum kümmern muss? „Dafür haben wir seit vielen Jahren ein System namens Oil Fox im Programm. Ein einfacher Sender für jegliche Begebenheiten, der zwei Mal täglich den Füllstand misst und nachbestellt, sobald Bedarf besteht.“ 

Hansjörg Mayr: Handel kann sich unersetzlich machen

Einen dringenden „change of mindset“ im Autohandel fordert Hansjörg Mayr, Vorstandsmitglied der Denzel-Gruppe, auf der Bühne des A&W-Tags ein. Der Handel müsse verstehen, unter welchem Druck die Hersteller stehen, welche unter Vertriebskosten bis zu 30 Prozent stöhnen. Es brauche eine neue gemeinsame Sichtweise, so Mayr, der dem Handel dringend nahelegt, in der Reaktion auf digitale Anfragen schneller zu werden.

Ein OEM erhebe die berechtigte Forderung, dass auf digitale Anfragen innerhalb 15 bis 30 Minuten reagiert werde. „Ein digitaler Kunde muss denselben Stellenwert haben wie einer, der bei der Tür hereinkommt. Und den lässt man ja auch nicht 15 Minuten warten.“ Weitere Entwicklungsfelder sieht Mayr bei der TCO-Beratung, dem Einsatz von KI oder dem Reifengeschäft. „Wieso verlieren wir bis zu 80 Prozent des Reifengeschäfts an den Reifenhandel?“ so Mayrs rhetorische Frage in der Rolle des Retailers. Durch gutes Bestandskunden-Management könne sich der Handel unersetzlich machen, ist Mayr überzeugt – auch in Zeiten von Agenturmodellen, KI-Chatbots der Hersteller und Direktvertrieb.

Podium: Innovative Lösungen für die Zukunft

Im zweiten Podiumsgespräch des Tages erklärten Evelyn Winkler (NXRT), Mag. Michael Holub (LISA), Dirk-Marco Adams (Infomedia x Veact) und Christoph Adunka (CarOnSale) ihre jeweiligen Innovationen für den zukünftigen Autohandel. NXRT zum Beispiel bietet Mixed-Reality-Lösungen, um dem Kunden im Autohaus ein Auto erlebbar zu machen, obwohl es gar nicht tatsächlich vor Ort ist. Dabei kann der Verkäufer dem Kunden verschiedene Ausstattungsvarianten, Farben zeigen und erlebbar machen.

Für Michael Holub ist der Einsatz von KI unumgänglich und er geht sogar soweit, dass er meint: "In einem Jahr werden wir hier sitzen und wenn man dann einen Bewerber auf einen neuen Job bei sich im Betrieb hat, wird dieser eine zusätzliche Frage stellen. Nämlich: 'Arbeiten Sie bereits im Betrieb mit Künstlicher Intelligenz?'". Aber für ihn ist auch klar: "Man darf LISA oder auch andere KI-Tools den Mitarbeitern nicht einfach aufs Aug' drücken, sondern da braucht es einen Change-Management-Prozess."

Christoph Adunka von CarOnSale ist sich sich sicher, dass der Autohandel heutzutage den Gebrauchtwagen-Markt nicht mehr vernachlässigen darf: "Denn dieser Markt ist 3x so groß, wie der Neuwagenmarkt. Und man hat im GW-Bereich nicht den Hersteller-Druck." Die richtigen Lösungen zu finden, um genau diese GW zu vermarkten hält er als entscheidenden Punkt.

Für Dirk-Marco Adams von Infomedia x Veact, ist die Datengrundlage das Um und Auf. "40 Prozent aller Daten in den Betrieben sind nicht brauchbar, diese muss man zuerst einmal aufbereiten, damit man überhaupt mit KI-Tools oder anderen Werkzeugen arbeiten kann."

Die ersten Ergebnisse des Händlerradars

Stefan Reiser von puls Markforschung präsentierte in seinem Referat die ersten, spannenden Ergebnisse des diesjährigen Händlerradars. In der Kategorie „Verlängerung der Herstellergarantie“ errang Seat/Cupra mit einer Bewertung von 9,24 Punkten Platz 1.  Auf Rang 2 folgte Toyota mit 9,18 Punkten, Rang 3 ging an Mercedes-Benz (8,54 Punkte). Die Auszeichnung nahmen Timo Sommerauer (Markenleiter von Seat und Cupra bei Porsche Austria), Michael Bruckner (Head of Customer Experience, Quality & Marketing Communication Toyota Austria) und Eugen Hötzinger (Leiter der Netzentwicklung von Mercedes-Benz Österreich) entgegen.

In der Kategorie „Aufbau neuer Geschäftsfelder“ ist BYD mit einer Bewertung von 8,31 Punkten klarer Gewinner, am 2. Platz folgt Seat/Cupra (6,61 Punkte) und Platz 3 errang Audi mit einer Bewertung mit 6,34 Punkten. Die Auszeichnungen nahmen Daniel Dzihic (Geschäftsführer des Importeurs CCI Car Austria GmbH) und Patrick Lang (BYD Automotive Austria), Timo Sommerauer (Markenleiter von Seat und Cupra bei Porsche Austria) und Bernhard Loos (Head of Marketing & Sales bei Audi) entgegen.

DAT Austria: Digitaler Schadenmanagementprozess

In seinem Vortrag „Automobiles Wissen. Intelligente Prozesse. Vernetzer Schaden“ ging Nils Weber, Geschäftsführer DAT Austria, konkret auf Möglichkeiten im Schadenmanagement ein. „Alles, was wir tun, muss der Branche helfen“, hielt Weber fest. Im Schadenmanagementprozess setzt die DAT vorrangig auf KI-Tools, um Abläufe zu beschleunigen und Medienbrüche zu verhindern. Dazu brauche es frühzeitig im Prozess hochqualitative Daten, die möglichst zentral zur Verfügung stehen müssten.

Wichtig ist für Weber auch der Hinweis, dass nicht jeder Schaden mit der gleichen Prozessintensität bearbeitet werden muss. All das könne in der Plattform weDAT zusammengeführt werden, die bereits von über 1.000 Kunden aus dem Bereich Autohaus/Werkstatt in Österreich genutzt wird. In diese fließen spezifische Daten für den österreichischen Markt ein: „Wir wollen für den Markt arbeiten und entwickeln das Tool kontinuierlich weiter.“

Stefan Hutschinski: "Müssen als Bundesgremium mit dabei sein"

Eines seiner Ziele sei es, die Politiker – auch jene in Brüssel – stärker als bisher zu erreichen, sagte Stefan Hutschinski, der neue Bundesgremialobmann des Fahrzeughandels: „Es gibt immer wieder Gesetze, die ohne unser Wissen und Zutun beschlossen werden“, so der BGO.

Aber auch die Journalisten sollten „ins Boot geholt“ werden, um sie davon zu überzeugen, was das Auto den Menschen bringe und dieses nicht – wie es in den vergangenen Jahren oft passiert sei – als Gefahr für die Umwelt hinzustellen: „Das ist die Herausforderung.“

Podium zur chancenreichen Zukunft mit Elektrofahrzeugen

Die abschließende Podiumsdiskussion stand unter dem Aspekt „Chancenreiche Zukunft mit Elektromobilität“, auf die Bühne geladen wurden Kurt Leonhartsberger (V2G), Markus Tatzer (MOON), Anna Rockenbauer-Paier (AH Paier, Gleinstetten) sowie Florian Flecker (carbonify). Auf die großen Potenziale der Elektromobilität angesprochen, verwies Tatzer auf den „Gamechanger bidirektionales Laden“. Sowohl die Kunden als auch die Netzbetreiber können von E-Fahrzeugen, die ans Netz gebracht werden, profitieren. Er sieht einen „extrem liberalisierten Strommarkt“ kommen.

Leonhartsberger meint, dass sich das Image des Elektroautos ändern wird, wenn es als Teil der Energiewirtschaft gesehen wird, das Potenzial sei enorm. „Wir sind total im Elektromodus“ bestätigt Rockenbauer-Paier und verweist auf langjährige Mitarbeiter und Stammkunden, die den Weg gemeinsam als „Fahrmilie“ gehen. Zudem sieht sie das Autohaus als Wissensvermittler: Direkt am Kunden, aber auch mit Social-Media-Videos, die überraschend viral gingen.

Neben dem Bidi-Laden als zukunftsträchtigem Thema bringt Flecker die THG-Prämie ins Spiel. Nach wie vor werde diese für zahlreiche Elektrofahrzeuge und den Ladestrom nicht geltend gemacht. Gerade, weil es keine Förderungen für Elektrofahrzeuge gibt, soll man sich hier Geld zurückholen. Als Dienstleister unterstützt carbonify hier mit seinen Softwareprodukten.