Wie wir alle wissen, sind die geopolitischen und damit die wirtschaftlichen Voraussetzungen momentan nicht die besten. Erfolg im Geschäft zu haben, wird immer schwieriger. Gleichzeitig erhöht sich die Komplexität auf vielen Ebenen: im und rund um das Fahrzeug. Die Hersteller sind bemüht, neuen Technologien im Fahrzeug den Vorrang zu geben – ein Umstand, der die nachgelagerten Ebenen, sprich zunächst einmal den Handel und später den Aftersales-Bereich (egal, ob markengebunden oder -ungebunden), vor die eine oder andere schwierige Aufgabe stellt. Und am Ende der Kette findet sich der Konsument wieder, der mit dieser Komplexität ebenfalls umgehen (lernen) muss.
Jetzt könnte man meinen, ein enges Miteinander der genannten Ebenen im automotiven Umfeld könnte der gemeinsamen Sache dienlich sein, nämlich mit dem Ökosystem Fahrzeug bzw. Automobil gegenwärtig und auch in Zukunft noch gute Geschäfte zu machen. Doch von einem Miteinander ist man schon seit Längerem weit entfernt, jede Ebene kämpft um ihre Vorteile und betreibt mitunter eine wenig zielführende Abschottungspolitik. Leidtragender davon ist in letzter Konsequenz der Konsument, der für die motorisierte Individualmobilität bereits tief in die Tasche greifen muss.
Nicht nur Reparaturen an modernen Fahrzeugen werden immer komplexer, auch der Zugang zum Fahrzeug wird für herstellerunabhängige Dienstleister immer schwieriger. Denn diese Zugänge sind meist mit einigen Hürden, nicht nur in finanzieller Hinsicht, verbunden. Der Gesetzgeber hat dazu in der Vergangenheit gehandelt und entsprechende Verordnungen auf EU-Ebene, zum Beispiel die Aftermarket-GVO (Gruppenfreistellungsverordnung), geschaffen, um dafür Sorge zu tragen, dass auch Klein- und Mittelbetriebe (freie Werkstätten und Teilehändler) in den Wettbewerb mit großen, oftmals weltweit agierenden Automobilherstellern eintreten und dort auch reüssieren können. Die aktuelle GVO gilt bis 31. Mai 2028, wobei die EU-Kommission bereits eine neue Überprüfung eingeleitet hat, um das Regelwerk hinsichtlich neuer Technologien anzupassen. Der Ausgang ist offen, Verbände und Lobbyingorganisationen sind im Hintergrund bereits intensiv tätig, um ihre jeweilige Position den politisch Verantwortlichen näherzubringen.
Es braucht den Wettbewerb in der automotiven Branche – nicht zuletzt, um den Zugang zur Mobilität für viele erst möglich zu machen. Neben Wettbewerb braucht es aber auch Zusammenhalt. Vor allem dann, wenn es darum geht, die motorisierte Individualmobilität (und das ist in vielen Fällen nun einmal das Auto) und deren Bedeutung ins rechte Licht zu rücken. Autofahrer sind aktuell in Ballungsräumen von gewolltem Parkplatzmangel, hohen Parkgebühren und vielleicht auch bald von Einfahrteinschränkungen betroffen. Gegen diese und ähnliche Tendenzen gilt es, gemeinsam, im Sinne eines Schulterschlusses mit möglichst vielen Branchenteilnehmern, vorzugehen. Damit Mobilität weiter gewährleistet und auch in Zukunft noch bezahlbar bleibt.
