Auch wenn man schon einige Zeit nicht mehr hier war: Der vor 10 Jahren eröffnete Forschungscampus in Renningen ist jedes Mal beeindruckend: 2.100 Experten und Expertinnen aus 50 Nationen arbeiten hier. Und auch wenn man nicht weiß, was in den Labors, Werkstätten und Instituten alles vor sich geht – einige fertige Ergebnisse werden den Journalisten aus aller Welt doch gezeigt.
Jeder einzelne Vorstand steht mit ausgewählten Mitarbeitern an seinem Platz im Foyer und präsentiert die neuesten Ideen: Neue, winzige Kameras zum Beispiel, die den Innenraum eines Autos überwachen und so manchen Sitzbelegungssensor überflüssig machen (und auf diese Weise das Auslösen von Airbags verhindern, wenn zum Beispiel der Beifahrer/die Beifahrerin die Füße am Armaturenbrett abgelegt hat). Serienstart? Vermutlich noch heuer.
Und natürlich sind da auch die neuesten Mähroboter, Sägen, Heiz- und Kühlsysteme zu sehen, und alles andere, das Bosch so bietet (wie etwa medizinische Geräte, die auch in Afrika zum Einsatz kommen sollen).
So vergeht der Vormittag, und am frühen Nachmittag folgt das eigentliche Ereignis, die Jahrespressekonferenz: Auch wenn die Ergebnisse schon einmal besser waren als im abgelaufenen Jahr, hat Bosch-Vorstandschef Stefan Hartung seinen Optimismus bewahrt.
Der Chef von 412.774 Mitarbeitern (-5.100 im Vergleich zu 2024) weltweit hat den Überblick nicht verloren. Auch wenn es nach wie vor „zu viele weltpolitische Fragezeichen und zu wenig Nachfrage auf einigen unserer Kernmärkte“ gebe, blicke man zuversichtlich in die Zukunft, meinte er am 16. April bei der Bilanz-Pressekonferenz am Forschungszentrum Renningen bei Stuttgart.
Kritik am Weg der EU bei den Verbrennern
Auf Rückfrage ging Hartung auch auf das Verbrennerverbot in der EU ab 2035 ein: Er appellierte an die Politiker, das zu ändern: „Wenn die EU bei der Regulierung bleibt, dass es dann nur noch BEVs gibt, dann wird der Markt für Pkws voraussichtlich kleiner werden.“ Wie viel das sein werde, sei schwer zu sagen, da es verschiedene Meinungen der Hersteller gebe: „Warum? Weil in bestimmten Regionen für bestimmte Kunden ein BEV nicht möglich ist.“ Bosch erwartet „entweder vorgezogene Käufe oder der Verbrenner hält sehr lang. Das ist für die Industrie äußerst ungünstig.“
Zu Beginn der Pressekonferenz sagte Hartung, dass man im Vorjahr „einige sehr schmerzhafte und folgenreiche Entscheidungen treffen“ musste: Vor allem in Deutschland habe man mit den Arbeitnehmervertretern Vereinbarungen erzielt, um Mitarbeiter zu entlassen: „Diese Maßnahmen waren nicht einfach, aber zielführend. Wir haben sehr viel Geld in die Hand genommen, doch jedes weitere Zögern hätte viel mehr Geld gekostet.“
Aufträge in Rekordhöhe im Kfz-Bereich
Der Gesamtumsatz von 91,0 Milliarden Euro sei 2025 um 0,7 Prozent über 2024 gelegen, so Finanzvorstand Markus Forschner. Das EBIT von 2 Prozent liege nicht nur unter dem Wert von 2024 (3,5 Prozent), „sondern auch unter unseren Erwartungen, aber im Bereich des Annehmbaren“, sagte Hartung.
Vor dem Hintergrund der angespannten weltpolitischen Lage müsse Bosch seine Ertragskraft weiter verbessern. Erfreulich sei, dass Bosch im Bereich Mobility im Vorjahr Aufträge in Rekordhöhe bekommen habe, vor allem bei ADAS und Elektrifizierung. „Doch die weltweiten Preise orientieren sich zunehmend an einem Standard, und das ist der chinesische.“ Wichtig sei bei Bosch die Kombination aus globalem Denken und lokalem Handeln: „Wir können unser Angebot und die Lieferketten an regionale Erfordernisse anpassen: Hier sind wir klar im Vorteil.“
Auch 2026 werde durch erhebliche Unsicherheiten geprägt sein, hieß es bei der Pressekonferenz: „Noch nicht abschätzbar sind die Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten auf die Energie- und Rohstofflieferungen.“ In Asien/Pazifik, einem der wichtigsten Wachstumsmärkte, erwartet Bosch strukturelle Herausforderungen in China aufgrund der Bevölkerungsentwicklung. In Europa werde das Wachstum verhalten bleiben, weil Reformen nur zögerlich umgesetzt werden, insbesondere in Deutschland, meinte Finanzvorstand Forschner: „Doch die hohen Rückstellungen des Vorjahres werden uns nicht mehr so belasten, auch die Restrukturierung wird sich auswirken.“
Es werde aber sicher länger dauern, die angepeilte Rendite von 7 Prozent zu erreichen, als man ursprünglich gedacht habe.
