Vergangene Woche durfte ich beim CarOnSale-Kongress in München vieles über Prozesse, Digitalisierung und KI im Autohandel erfahren. Dort war man sich einig, dass die Einführung und Verwendung digitaler und KI-gestützte Prozesse die wirklich große Transformation im Autohandel darstellt. Da geht es natürlich um die Veränderung beim Kundenverhalten, aber es geht auch ganz stark um Mitarbeiter, die bekanntlich durch den Fachkräftemangel immer stärker fehlen.

Zukünftig müssen also weniger Mitarbeiter, die noch dazu oft weniger engagiert und einsatzfreudig sind als früher, deutlich komplexere Aufgaben lösen. Hier braucht es optimale Prozesse, die den Mitarbeiter entlasten und die Abläufe im Betrieb auch mit einer kleineren Mannschaft erfolgreich realisieren.

Mehr lesen: Der CarOnSale-Kongress in München

Davon sind wir freilich noch ein Stück entfernt. Während in München große Autohaus-Gruppen ihre Lösungen – und den harten Weg dorthin – beschrieben haben, sieht die Realität in den allermeisten Unternehmen noch ganz anders aus. Da sind noch immer Aufstellkalender für die Terminplanung im Einsatz, es werden Zulassungsscheine kopiert und Aufgaben handschriftlich dokumentiert.

VIN eintippen und E-Teile-Nummer abschreiben

Bei einer Ersatzteil-Besorgung vergangene Woche durfte ich folgenden Ablauf erleben: Zuerst wurde die Fahrgestellnummer von meinem Zulassungsschein ins System getippt (zuerst mit einem Tipp-Fehler: „das Modell gibt es gar nicht“), dann wurde das Ersatzteil aus dem System des Herstellers eruiert und die E-Teile-Nummer auf einem Post-It notiert. Nach erfolgreicher Suche im Lager hat die Dame an der Kassa die Nummer des Teils wieder ins (andere) System eingegeben, um mir eine Rechnung zu erstellen: ein langwieriger, fehleranfälliger Prozess.

Viele Systeme sind nicht kompatibel

Es geht überhaupt nicht darum, die Betriebe oder die Mitarbeiter hier zu kritisieren. Die Systeme sind einfach nicht kompatibel. Auch bei uns im Verlag haben wir trotz umfassender Weiterentwicklung in den vergangenen Jahren noch einige analoge Prozesse und Doppelgleisigkeiten. 

Es geht darum, die Themen zu sehen und daran zu arbeiten. In vielen Fällen gibt es keine einfache, sofort umsetzbare Lösung, weil die Tools nicht vorhanden sind oder die vorhandenen Tools keine Schnittstellen haben. 

Mehr lesen im Kommentar: Online-Termine mit dem Aufstellkalender

Doch wenn Prozesse nicht vorher optimiert werden, macht die Digitalisierung keinen Sinn. „Ein schlechter Prozess ist danach ein schlechter digitaler Prozess“, hat Thomas Marxrieser beim A&W WERKSTATT-FORUM gesagt (wobei er noch klarere Worte verwendet hat ;-))

Und das gilt ebenso beim nächsten Schritt, wenn KI in den digitalen Prozessen verwendet werden soll. Wir reden also vom Einsatz von KI, haben allerdings noch analoge (und teilweise schlecht funktionierende) Abläufe.

Prozesse optimieren vor dem Digitalisieren und vor dem Einsatz von KI

Die nächste entscheidende Aufgabe wird also sein, Prozesse zu analysieren, zu hinterfragen und dann stark zu verbessern. Dazu gehört auch die Auswahl der richtigen Partner und Lieferanten, der richtigen Software-Lösungen und der entsprechenden Schnittstellen.

In der diesjährigen Sonderausgabe von AUTO & Wirtschaft, die Ende Mai erscheint, beschäftigen wir uns intensiv mit dem Thema: "KLARTEXT – Reden wir über Prozesse!"