Die meisten Diskussionen über KI im Autohaus drehen sich um Kosten und Effizienz, die eigentliche Chance liegt aber woanders: KI kann aus einem funktionierenden Betrieb einen begeisternden machen – wenn man sie konsequent aus Sicht des Kunden statt von der Software aus denkt. Genau darin liegt der Kern unseres „Automotive AI First”-Ansatzes: Am Anfang steht die Frage: „Wo verliert der Kunde heute Zeit, Geduld oder Vertrauen?“

KI ersetzt kein persönliches Gespräch

Praktisch heißt das: Ein KI-Agent, der binnen Sekunden auf eine Serviceanfrage antwortet, ersetzt kein persönliches Gespräch, aber er verhindert, dass der Kunde beim Mitbewerber landet, während er noch immer auf einen Rückruf wartet. Doch dieser Magic Moment stößt auch schnell an Grenzen in nahezu jedem Autohaus – jene der eigenen System-Landschaft: Fahrzeughistorie, Werkstattkapazität, Ersatzfahrzeug-Verfügbarkeit –, all das existiert im Betrieb, aber oft in DMS-Systemen ohne offene Schnittstellen. 

Der KI-Agent kann dann zuhören, aber nichts erledigen. Begeisterung entsteht erst, wenn auf Zuhören die Handlung folgt: Termin fixiert, Ersatzwagen reserviert, Bestätigung am Handy. Deshalb ist „AI First“ vor allem eine Systemarchitektur-Frage. KI als ein Tool auf einem bestehenden System ist für den Einstieg richtig, hat aber ein Ablaufdatum: Jeder weitere Anwendungsfall kämpft mit denselben verschlossenen Datenquellen. KI als Fundament macht dagegen jede Information für jeden Agenten zugänglich. Praktisch bewährt sich eine Reihenfolge in drei Schritten: Erst der „Magic Moment“, dann die stille Entlastung und erst danach das Fundament, in dem Verkauf und Service sowie Verwaltung von Grund auf KI-zugänglich sind. Der Fachkräftemangel macht diesen Weg zur Notwendigkeit: Wo Mitarbeiter fehlen, muss die knappe Zeit im persönlichen Kunden-Kontakt eingesetzt werden.

Entlastung statt Kontrolle

Drei Punkte werden gerne unterschätzt: Datenqualität vor Feature, Importeursvorgaben bestimmen Tempo und Spielraum und die beste System-Architektur scheitert, wenn sie als Kontrolle statt als Entlastung erlebt wird. Wer vor einer Systementscheidung steht, sollte sich mindestens drei Fragen stellen: Ist jede Information ohne Zusatzkosten zugänglich? Wem gehören Daten und Code? Wie schnell lässt sich ein neuer Anwendungsfall ergänzen – in wenigen Wochen oder erst im nächsten Release?

Eigentümergeführte Autohäuser haben den Vorteil kurzer Wege, um genau hier zu starten: Mit einem spürbar besseren „Magic Moment“ und dann Schritt für Schritt weiter auf der Kundenreise.

Florian Kunert

Dipl.-Wirtsch.Ing. Florian Kunert ist renommierter Automotive Business Coach, Aufsichtsrat/Beirat und Unternehmensberater mit fast 30 Jahren nationaler & internationaler Erfahrung in der Automobil-Branche sowie Gründer der Automotive AI FlexCo.

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