Vor 20 Jahren streckte Denzel, Österreichs größter Privatimporteur, die Fühler nach China aus. Vorsichtig noch, doch man machte sich bei den Herstellern bemerkbar. Damals waren die chinesischen Autos noch nicht wirklich reif für Europa. Doch der lange Atem machte sich bezahlt, und mit BYD und MG hat Denzel seit einigen Jahren die zwei Pkw-Marken aus China mit dem höchsten Marktanteil und mit Maxus einen Nutzfahrzeug-Hersteller unter seinen Fittichen.

Doch was nun? Hat Denzel-Vorstand Hansjörg Mayr bei seiner Reise nach Peking Ende April neue Verträge abgeschlossen? Im Interview kommt eine klare Absage: „Nun konzentrieren wir uns darauf, aus dem sehr guten Portfolio das Bestmögliche zu machen.“ Und wenn, wie im April, BYD ganz knapp vor Škoda die Nummer 1 unter den Elektroautos bei den Neuzulassungen in Österreich war, merke man auch, dass dies gelinge, meint der Denzel-Vorstand: „Doch wir sehen noch immer Potenzial für -diese Marken und investieren. Gemeinsam mit den -Händlern wollen wir noch besser werden.“ 

Möglichkeiten, weitere China-Marken als Privat-importeur aufzunehmen, gebe es natürlich immer wieder: „Im Vorjahr haben wir 5 Marken, die wir machen hätten können, abgesagt. Und es gibt weitere, die unbedingt mit uns kooperieren wollen. Aber mehr Marken heißt nicht automatisch, dass man mehr Erfolg hat“, ist Mayr überzeugt.

Digitale Integration des Alltags im Auto

Was Mayr bei der Automesse in China noch auffiel? Die Veranstaltung sei „mehr Technologiemesse als eine klassische Automobilmesse“ gewesen. Das Thema Elektrifizierung sei vollständig bei den Kunden angekommen; nun gehe es um die weitere Skalierung und damit Kostenreduktionen. Chinesische Kunden seien vor allem daran interessiert, was das Fahrzeug könne: Digitale Integration des Alltags im Auto werde immer wichtiger, ebenso das autonome Fahren und Ladegeschwindigkeiten. So werden die Autos als „Mobilitätshülle“ entwickelt, was weit über die bisherige europäische Wahrnehmung eines Fahrzeugs hinausgehe. Ein weiterer Beweis, wie wichtig Elektromobilität in China ist: Die „neue Welt“ wurde in Peking in den neu errichteten Messehallen untergebracht, während Fahrzeuge mit Verbrennungs-motor in den älteren Hallen zu sehen waren.

Mayr glaubt auch nicht, dass sich die chinesischen Hersteller durch Zölle von ihren Zielen in Europa abhalten lassen: Europa habe mit China 40 Jahre gute Geschäfte in der Verbrenner-Technologie gemacht, jetzt sei es legitim, dass China mit Europa Geschäfte bei Elektroautos und Plug-in-Hybriden machen wolle. In Europa habe man viel zu lange „an der alten Welt festgehalten“, so Mayr. Und immer mehr chinesische Hersteller wollen Fabriken in -Europa übernehmen oder errichten.