Ein Training mit Verkaufsleitern. Ich bat die Runde, einen letzten typischen Arbeitstag durchzugehen. Das Ergebnis: E-Mails bearbeiten, Herstelleraktionen überwachen, Fahrzeuge aus Angebotspools abrufen, Verkäuferfragen zu Fahrzeugangeboten beantworten, Nachlässe freigeben. Meetings, an deren Ergebnisse sie sich nicht erinnerten. Auf meine Frage, wann an diesem Tag echte Führung stattgefunden hatte, herrschte Schweigen.
Ertrinkende im Tagesgeschäft
Es zeichnet sich ein Muster ab: Der Anteil operativer Tätigkeit bei Autohaus-Führungskräften ist zu hoch. Wer sich in Details verliert, hat am Ende keine Kapazität mehr für das, wofür er eigentlich verantwortlich ist. Auch KI wird zur Belastungsprobe für Führung. Der Hype nervt, vieles davon ist reines Marketingrauschen. Ja, an der Auseinandersetzung damit führt kein Weg vorbei: testen, üben, ausloten der gesetzlichen Leitplanken. Das eigentliche Problem ist, dass auch diese Aufgabe auf eine Führungsriege trifft, die im Tagesgeschäft ertrinkt und keine Zeit hat, Wandel verständlich zu machen, Ängste aufzufangen, Orientierung zu geben.
Der Job der Führungskraft
Für diesen, ihren eigentlichen Job braucht eine Führungspersönlichkeit Ressourcen. Aus meiner Sicht ist die wichtigste Weiche, die Sie als Kfz-Unternehmer stellen müssen, daher keine technologische. Es ist die Optimierung Ihrer Ressourcen. Wie viel Ihrer Arbeitszeit gehört tatsächlich der Führung und wie viel davon ist ausgelagerte Facharbeit, die Sie sich nehmen, weil Kontrolle -bequemer ist als loslassen?
Führung umfasst viele Dimensionen wie das Orientieren, Organisieren, Motivieren, Entwickeln, Innovieren. All das trägt nur, wenn es adäquat kommuniziert wird. Wer seinen Kalender der vergangenen Woche durchsieht, wird feststellen: Für die meisten dieser Dimensionen bleibt neben dem Tagesgeschäft schlicht keine Zeit.
Wenn Sie diese Weiche nicht stellen, werden Sie möglicherweise auch die nächste Transformation überstehen. Menschlich verlieren Sie dabei jedes Mal etwas, das sich später nicht mehr nachrüsten lässt. Wann haben Sie zuletzt bewusst entschieden, was diese Woche nicht mehr Ihre Aufgabe ist? •
Derek Finke
nennt sich selbst Konstruktiver Störenfried oder Autohaus Brückenbauer. Mit seinem Beratungsunternehmen betreut er Autohäuser und Werkstätten von der Unternehmensstrategie bis hin zur Autohaus-Digitalisierung und alles, was dazwischen liegt.
