Lange Zeit wurden Produkte, die in Europa (oder den USA) entwickelt worden sind, in China günstig produziert. Europa war Qualität, China war billig. Das hat sich gedreht: China ist von der Werkbank Europas auch zum Technologie-Zentrum geworden: Bei den Elektronik-Produkten langsam und unauffällig, beim Auto war es eher eine Bombe, als 2023 die erste Automesse in China nach der Pandemie stattgefunden und die Welt gesehen hat, wie dynamisch sich die chinesischen Marken entwickelt hatten.
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Über viele Jahre war China die Cashcow für die deutschen Autobauer: In einer (politisch vorgeschriebenen) Kooperation mit chinesischen Konzernen wurden dort über viele Jahre Millionen Autos verkauft und Milliarden Euro verdient. Lange Zeit galt die Formel: China bringt ein Drittel Volumen und zwei Drittel Ertrag. Damit wurden auch viele Struktur- und Entwicklungs-Defizite in den Konzernen überdeckt. Nun sind diese Erträge Geschichte.
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In China stürzen die deutschen Marken ab. Dabei ist das riesige Land mittlerweile der größte Automarkt der Welt, wächst nach wie vor und zeitgleich drängen die chinesischen Hersteller aufgrund des vernichtenden Wettbewerbs am Heimmarkt auf die Weltmärkte. In Europa hat die Autoindustrie nach Corona deutlich Volumen verloren – in einem zuvor künstlich aufgeblasenen Markt. Nun kommen auch noch die chinesischen Hersteller nach Europa und knabbern weiter am Volumen.
China hat uns abgehängt
Es ist Realitätsverweigerung, wenn man die politischen Vorgaben zum Elektroauto für den Niedergang der europäischen Autoindustrie verantwortlich macht. Die Probleme sind vielfältig. Mittlerweile hat uns China in vielen Bereichen abgehängt. Die Deutschen bauen mittlerweile auch gute Elektroautos, aber die Dynamik in China ist gewaltig – nicht nur beim Antrieb, sondern auch in der Digitalisierung und beim Software-defined-Vehicle. Als nächstes kommt das autonome Fahren, vermutlich ein noch größerer Gamechanger als die Antriebswende.
Und wie geht’s weiter? Noch immer wird absurderweise erzählt, dass der Erhalt des Verbrenners auch die europäische Autoindustrie retten würde.
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Die Geschichte wird aber anders geschrieben: Einige europäische Autohersteller haben – notwendigerweise – sehr rasch ihre Strategie geändert. Teilweise entwickeln und bauen sie — formulieren wir es diplomatisch — „gemeinsam“ mit chinesischen Herstellern Autos in China. VW mit Xpeng, Audi mit SAIC. Andere Hersteller sind ebenfalls bereits in Kooperation: Stellantis mit Leapmotor, Mercedes mit Geely (über Smart), BMW mit Great Wall Motor (für Mini). Der Unterschied: Früher holte sich China das Know-how von den Deutschen, heute ist es umgekehrt. Europäische Hersteller arbeiten in China und vor allem mit China, um Autos schneller, digitaler und günstiger zu entwickeln und zu bauen.
China-Entwicklungen in Europa lokalisieren
„Wir müssen Modelle, die wir in China entwickeln, nicht nur für China und die ganze Welt entwickeln, sondern wir müssen Modelle, die wir in China entwickeln, auch für Europa lokalisieren und in Europa bauen.“ Das sagt Olaf Lies, sozialdemokratischer Ministerpräsident von Niedersachsen und damit Teilhaber und Aufsichtsrat bei VW. Er schränkt das zwar auf Modelle ein, „die wir sowieso nicht mehr haben“, aber er bestätigt damit, dass die Entwicklung und die damit verbundene Wertschöpfung verstärkt in China stattfinden werden und diese Modelle für -Europa adaptiert und in Europa produziert werden. „Das schließt nicht aus, dass wir auch Komponenten aus China verwenden müssen“, so Lies. Gleichzeitig wird auch von den Zulieferern erwartet, dass sie chinesischer werden.
Deutsche Marken werden stark bleiben
Nein, wir müssen uns keine Sorgen um die europäischen Autokonzerne machen, aber wir müssen realistisch sehen, dass wir die Technologieführerschaft, zumindest in vielen Bereichen, verloren haben. Wir müssen sehen, dass ein noch größerer Teil der Wertschöpfung nach Fernost wandern wird.
Entscheidend ist, mit welcher Geschwindigkeit, mit welchem Arbeitseinsatz, mit welcher Manpower und auch mit welcher politischen Klarheit, Stichwort Planungssicherheit, dort Technologien vorangetrieben werden. Dabei werden berechtigterweise Themen wie Demokratie, Meinungsfreiheit oder die uns wichtige Vielfalt der 27 EU-Länder in Spiel gebracht.
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Das stimmt, aber es ändert nichts an den Fakten. Und als Europa haben wir nur zwei Möglichkeiten: entweder uns abzuschotten oder mit Kooperationen zumindest einen kleineren Teil der Entwicklungs-Wertschöpfung und einen größeren Teil der Produktion in Europa zu behalten.
China-Marke oder nicht?
Für viele heimische Händler stellt sich derzeit eine entscheidende Frage: Braucht es zu den bestehenden Marken auch eine China-Marke? Für viele Konsumenten, und dazu zählen auch Fuhrpark-Kunden, ist China kein Hindernis. Vielmehr ist es überraschend, wie schnell gänzlich neue Marken in Europa erfolgreich sind. Ein entscheidender Punkt ist dabei übrigens das Vertrauen zum regionalen Händler. Und das Management der chinesischen Autohersteller hat schnell erkannt, dass es für den europäischen Kunden europäische, regionale Vertriebspartner braucht.
